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werist MÖNCH

Wer ist Martin Luther?

Wer ist Martin Luther?

Martin Luther (* 10. November 1483 in Eisleben) war der theologische Autor und Lehrer der Reformation. Als Theologieprofessor der Augustinermönche wollte er unerwünschte Entwicklungen in der katholischen Kirche beseitigen, indem er sich ausschließlich auf Jesus Christus als das inkarnierte Wort Gottes konzentrierte. Seine Entdeckung der Gnade Gottes, seine Predigten und Schriften - insbesondere seine Lutherbibel - hatten weitreichende Auswirkungen. Sie wurden von den Fürstentümern des 16. Jahrhunderts genutzt, um die Zentralmächte von Papst und Kaiser zurückzudrängen und die mittelalterliche Gesellschaft nachhaltig zu verändern. Unter ihrem Einfluss kam es entgegen Luthers Absichten zu einer Spaltung der Kirche, zur Bildung der evangelisch-lutherischen Kirche und zu anderen Konfessionen des Protestantismus.

Abstammung

Luthers Eltern waren der Bauer, Bergmann, Minenbesitzer und spätere Stadtrat Hans Luder (1459–1530) und seine Frau Margarethe, geb. Lindemann (1459-1531), der aus Möhra stammte. Luther wurde als erster oder zweiter Sohn in Eisleben geboren. Am folgenden Martinstag (11. November 1483) wurde er im Namen des Heiligen des Tages getauft. Er wuchs im benachbarten Mansfeld auf, wo der Vater als Hüttenmeister im Kupferschieferbergbau bescheidenen Wohlstand erlangte. Beide "Lutherstädte" liegen im Mansfelder Land und heute im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt und hatten zu dieser Zeit einige tausend Einwohner.

Luther erlebte eine damals normale, strenge väterliche, aber auch liebevolle Erziehung. Seine Eltern waren der Kirche treu, aber nicht allzu fromm. Von 1488 bis 1497 besuchte er die Mansfelder Stadtschule und danach ein Jahr lang die Magdeburger Domschule. Dort lehrten ihn die Brüder das gemeinsame Leben, eine spätmittelalterliche Erweckungsbewegung. 1498 schickten ihn seine Eltern zum Franziskanerstift Eisenach, wo er eine musikalisch-poetische Ausbildung erhielt. Er galt als sehr guter Sänger.

Bildung

Von 1501 bis 1505 studierte Luther an der Universität Erfurt in Thüringen und erhielt das "Magister Artium" der Philosophischen Fakultät: Dazu gehörte eine Grundausbildung in Latein in den Fächern Grammatik, Rhetorik, Logik, Ethik und Musik. Hier erlangte er eine genaue Kenntnis der Lehre des Aristoteles, der seit Thomas von Aquin die mittelalterliche Scholastik beherrschte, sich aber bereits in Erfurt in der Kritik des Nominalismus befand.

Auf Wunsch seines Vaters begann Luther nach seiner Promotion sein Jurastudium. Doch am 2. Juli 1505, nach dem Besuch seiner Eltern in Mansfeld auf dem Rückweg nach Erfurt bei Stotternheim, wurde er von einem heftigen Gewitter heimgesucht, fürchtete sich tödlich und rief nach St. Anne, Marys Mutter: St. Anna. Hilfe! Wenn du mich am Leben lässt, werde ich ein Mönch. Warum der junge Luther gerade dieses Gelübde ablegte und dann ein kirchliches Leben nahm, erklärt weder seine Erziehung noch seine Todesangst gänzlich. Jedenfalls trat er am 17. Juli 1505 gegen den Willen seines Vaters in das Kloster der Augustiner-Eremiten in Erfurt ein.

Hier übte er die Regeln des Ordens in vorbildlicher Sparsamkeit aus, so dass er am 27. Februar 1507 zum Priester geweiht wurde. Trotz täglicher Buße litt Luther unter großem Gewissen. Seine Hauptfrage war: Wie komme ich zu einem gnädigen Gott? Die Frage wurde nicht durch Missbrauch der kirchlichen Praxis geweckt, sondern durch das Sakrament der Buße, dessen Voraussetzung die aufrichtige Buße für die Liebe zu Gott, nicht die Angst vor Gottes Strafe und das Bekenntnis aller, selbst der geheimsten, selbstbewussten Personen war Sünden. Luther nahm diese Forderungen sehr ernst und stürzte sich deshalb in die verzweifelte Rettung, um zu wissen, ob er diese Bedingung erfüllen könnte oder ob er mit einer ungültigen Absolution eine ewige Verdammnis erleiden würde. Er erlebte seine Unfähigkeit aus Liebe, ohne Angst, Gottes Forderungen zu erfüllen, so dass er auch an der versprochenen Vergebung zweifelte.

Sein Beichtvater Johann von Staupitz, der Generalvikar der Kongregation, empfahl daraufhin Luther zum Theologiestudium und schickte ihn 1508 nach Wittenberg. In der dortigen Klosterschule lernte er die Theologie Ockhams kennen, die neben Gottes Freiheit auch den menschlichen Willen betonte, vor allem die Kirchenväter - vermittelt durch die "Sentenzen" des Peter Lombardus-Augustin. Ein Jahr später promovierte er auch zum baccalarius biblicus (Professor der Bibel), der Griechisch und Hebräisch beherrschte und nun neben Moralphilosophie auch biblische Fächer zu unterrichten hatte.

1510 reiste Luther nach Rom, um im Namen seines Konvents in Erfurt, zu dem er inzwischen zurückgekehrt war, gegen die übergeordnete Vereinigung der strengen "Beobachter" mit den liberaleren Augustinerklöstern zu protestieren. Er nahm an einem Generalgeständnis teil und rutschte die "Heilige Treppe" des Laterans auf seinem Bauch hinauf, um für sich und seine Verwandten Vergebung der Sünden zu erlangen. Zu dieser Zeit zweifelte er noch nicht an der Praxis der Umkehr in Rom, aber er war bereits entsetzt über das Elend und den moralischen Verfall, dem er in Rom begegnete.

1511 brachte ihn Staupitz erneut nach Wittenberg und machte ihn 1512 als Doktor der Theologie zu seinem Nachfolger. Mit dem thomistischen Gedanken, dass sein Gewissen von Gott selbst verursacht wurde, um wahre Demut in ihm zu erwecken, konnte er Luthers Gewissen lindern, aber nicht lösen. Trotzdem blieb ihre Freundschaft bis zu Staupitz 'Tod im Jahre 1524 bestehen.

In den folgenden Jahren hielt Luther Vorlesungen über die Psalmen und Paulusbriefe, von denen einige Originalmanuskripte oder wörtliche Kopien erhalten haben. Hierdurch kann man seine Entwicklung zum Bruch mit den römisch-katholischen Lehren im Detail verstehen. Zuerst folgte er dem Muster des "vierfachen Sinns der Schrift" und interpretierte allegorisch das Alte Testament für Christus. Er hielt an der traditionellen Auslegung des Bibel-Ockhamismus, des Neo-Platonismus, des Mystizismus oder der "Devotio moderna" fest, die jedoch bereits vollständig auf den Glauben des Einzelnen bezogen waren. Seinen hoffnungslosen Verlust sah er sich bereits der unmittelbaren Gnade Gottes gegenüber, auch ohne über ihre Vermittlung durch die Kirche und die Sakramente nachzudenken. Bezeichnenderweise spielten Themen wie das Papsttum und die Jungfrauengeburt hier keine Rolle.

Reformatorische Wende

In Luthers Forschungen ist umstritten, als Luther die Gerechtigkeit Gottes sola gratia entdeckte (allein durch Gnade). Ab der Datierung der Reformation hängt die Entdeckung von ihrer inhaltlichen Definition und Bedeutung für den Beginn der Reformation mit ab.

In einer späteren Selbsterklärung beschrieb Luther diesen Wendepunkt als eine unerwartete Erleuchtung, die er in seinem Arbeitszimmer im Südturm des Augustinerklosters Wittenberg erlebte. Einige datieren diese Turmerfahrung in die Jahre 1511-1513, andere um 1515 oder um 1518, wieder andere gehen von einer allmählichen Entwicklung der Reformationswende aus. Es ist unbestritten, dass Luther seine Erfahrung als große Befreiung empfand. In der einsamen Meditation über den Bibelvers Rom 1:17 EU entdeckte er plötzlich, wonach er ein Jahrzehnt lang vergeblich gesucht hatte.

Denn darin offenbart sich die Gerechtigkeit, die vor Gott ist, die aus dem Glauben kommt und zum Glauben führt; Wie es geschrieben steht (Hab 2,4 EU): Die Gerechten werden im Glauben leben.

Dieser Bibelvers führte früher oder später zu seinem neuen Verständnis der Heiligen Schrift: Gottes ewige Gerechtigkeit ist eine reine Gnadengabe, die dem Menschen nur durch den Glauben an Jesus Christus gegeben wird. Kein persönlicher Beitrag kann dieses Geschenk erzwingen. Sogar der Glaube, die Annahme der angemessenen Gnade, ist kein menschlich mögliches Werk.

So wurde Luthers gesamte mittelalterliche Theologie mit ihrem kunstvollen Gleichgewicht zwischen menschlichen Fähigkeiten und göttlicher Offenbarung (Synergismus) gebrochen. Von nun an setzte er sich zunehmend kritisch mit der Kirche auseinander, die sich in all ihren Formen und Inhalten als Vermittlungszentrum für die Gnade Gottes im Menschen verstand.

Luthers neues Verständnis der Rechtfertigung durch die Gnade Gottes ist bereits in dem HLT-Brief von 1515 formuliert, obwohl es mit den Schemata Augustins und der Mystik Johannes Taulers verschmolzen ist. 1516 veröffentlichte er auch die Theologia deutsch, das Werk eines unbekannten Mystikers (genannt "Frankfurter"), was ihn in seiner wachsenden Ablehnung externer kirchlicher Riten bestärkte.

Mit der Änderung seines Nachnamens von Luder zu Luther - nach dem griechischen Wort ελευθερός (eleutheros: "Befreier", "frei") - signalisierte er seit 1517 auch äußerlich seine innere Transformation.

Nachsicht und 95 Thesen

Bußpraktiken hatte Luther bereits während seiner Reise nach Rom kennengelernt, die er intern ablehnte. Der Verkauf von Ablässen sollte den Bau des Petersdoms in Rom finanzieren. Ablassschreiben sollten den Gläubigen eine Geldzulage für sie oder für Verwandte bescheinigen, die bereits gestorben sind, aber als Erlass von Sünden gegen Geld verkauft wurden: Wenn das Geld in der Kiste klingt, springt die Seele aus dem Fegefeuer. Genau ein Jahr vor den Thesen in Wittenberg predigte Luther erstmals öffentlich dagegen.

Im Sommer 1517 erhielt er das Instructio Summarium, verfasst von Mainzer Kardinal Albrecht, eine Anweisung für die Genussprediger, die durch das Land reisten. Mit einem Teil dieser Einnahmen wollte der Erzbischof seine Schulden begleichen, die er bei den Fuggers hatte. Diese hatten seine Wählerschaft finanziert. Er schickte auch den Genussprediger Johann Tetzel nach Sachsen.

Luther veröffentlichte am 4. September 1517 erstmals 97 Thesen, nur für seine Fakultätskollegen, um unter ihnen einen Streit über die gesamte schulische Theologie zu beginnen. Eine wörtliche Kopie davon wurde kürzlich in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel gefunden. Erst dann schrieb Luther eine Reihe von fünfundneunzig Thesen, die sich direkt auf den Genuss bezogen und ihn - wenn man die Tradition von Philip Melanchthon aufgreift - am 31. Oktober am Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg traf. Ob die Thesen tatsächlich so entstanden sind, ist in der Forschung umstritten.

Diese Thesen fanden die große öffentliche Resonanz, die die Reformation auslöste. Darin protestierte Luther weniger gegen die finanziellen Praktiken der katholischen Kirche als gegen die darin zum Ausdruck gebrachte Reue. Der Verkauf von Ablässen war für ihn nur die äußere Gelegenheit, eine grundlegende Reform der ganzen Kirche "auf Kopf und Gliedmaßen" zu fordern. Er griff den Papst nicht direkt an, sondern sah seine Aufgabe als Fürsprache für alle Gläubigen. Für die breite Bevölkerung schrieb er 1518 die Predigt über Nachsicht und Gnade auf einfache, verständliche Weise.

Kardinal Albrecht kündigte nun Luther in Rom an; Tetzel antwortete mit Gegenstimmen auf die Disputationsserie vom September, in der er den Ingolstädter Theologen Johannes Eck unterstützte. Im April 1518 durfte Luther seine Theologie in der Heidelberger Disputation für Staupitz vor der Augustinerkongregation erläutern. Hier hat er scharf das ausschließliche Verhältnis der Gnade zum Glauben gegen Aristoteles und den menschlichen freien Willen abgegrenzt. Er gewann eine Reihe von Anhängern, die später Reformer wurden, darunter Martin Bucer, Johannes Brenz und Sebastian Franck. Im August ernannte die Universität Wittenberg auch Philip Melanchthon, der bald Luthers engster Freund und Schüler wurde.

Der römische Prozess

Im Juni 1518 berief die Kurie Luther nach Rom, um die Gefahr einer Ketzerei in einem Prozess zu untersuchen. Schon vor der Ernennung wurde der Vorwurf in berüchtigte Ketzerei geändert: Spione in Luthers Wittenberger Vorlesungen hatten ihn mit gefälschten Thesen denunziert. Er beantragte aus gesundheitlichen Gründen eine Anhörung auf deutschem Gebiet, wo er sich auf die deutsche Gravamina-Nation stützte. Der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise, der ihn ausliefern sollte, unterstützte ihn.

So war Luthers Prozess mit politischen Interessen verbunden: Papst Leo X. benötigte den Kurfürsten für die bevorstehende Wahl des Kaisers und gab daher im August 1518 seinen Einspruch ab. Kardinal Thomas Cajetan sollte Luther auf dem Augsburger Landtag verhören. Vom 12. bis 14. Oktober 1518 sprach Luther dort. Er weigerte sich zu widerrufen, es sei denn, er wurde aus der Bibel gestrichen. Für Cajetan wurde er daher als Ketzer verurteilt und hätte übergeben werden sollen. Friedrich lehnte dies jedoch weiterhin ab. Luther konnte in der Nacht vom 20. auf den 21. Oktober 1518 der drohenden Verhaftung durch Flucht aus Augsburg entkommen.

Im Januar 1519 starb Kaiser Maximilian I.: Er hatte den spanischen König Karl I. als Nachfolger bestimmt. Der Papst wollte dies verhindern, weil er wegen Karls Besitz in Italien eine Einkreisung des Kirchenstaates befürchtete. Daher überließ er zunächst Luthers Prozess der Ruhe und beauftragte Karl von Miltitz, den Kurfürsten für eine friedliche Lösung zu gewinnen. Der römische Botschafter erlangte Luthers Schweigen.

In der Prozesspause gibt Eck Thesen für eine Debatte mit Luthers Wittenberger-Dozent Andreas Bodenstein (genannt Karlstadt) weiter. Diese richteten sich so deutlich gegen Luther, dass dies sein Schweigen brach und vom 4. bis 14. Juli 1519 persönlich an der Leipziger Disputation teilnahm. Dort wies Eck den Konflikt auf die Frage der Autorität des Papstes hin; Luther wagte nun die These, dass der Papst nur 400 Jahre lang Führer des Christentums gewesen war - das Decretum Gratiani, das päpstliche Äquivalent zum kanonischen Recht.

Eck versuchte dann, Luther als Anhänger von Jan Hus zu verurteilen, der vor 100 Jahren als Ketzer verbrannt worden war. Luther warf Rom die Abspaltung der Orthodoxie vor. Er unterstellte nun auch den Konstanzer Rat der Autorität der Schrift. Damit war zwar das Nebeneinander von drei Päpsten beendet, aber die Frage der Autorität - Rat oder Papst - nicht geklärt. In diesem Zusammenhang fiel Luthers Urteil: Auch Räte können falsch sein. Dabei setzte er die individuelle Gewissensfreiheit auch durch maßgebliche Konsensentscheidungen der Bischöfe in das Hören der Bibel. Dies war der Bruch mit der katholischen Kirche.
Titelseite der ersten Ausgabe von "Exsurge Domine"
Titelseite der ersten Ausgabe von "Exsurge Domine"

Nachdem Karl am 28. Juni 1519 zum Kaiser gewählt worden war, nahm die Kurie Luthers Prozess wieder auf. Nach einer erneuten erfolglosen Befragung vor Cajetan erteilte der Papst am 15. Juni 1520 das Geländer Exsurge Domine. Es verurteilte Luthers aus dem Zusammenhang gerissene und teilweise verfälschte Urteile ohne Begründung und Widerlegung, setzte ihm eine Frist von 60 Tagen für die Vorlage und drohte ihm mit einer Exkommunikation.

Reichstag nach Worms

Trotzdem widmete Luther im Oktober 1520 Papst Leo seine Abhandlung über die Freiheit eines Christen und der Berufung auf ein neues Konzil. Am 10. Dezember beendete er jedoch die endgültige Pause, indem er auf Verbrennungen seiner Bücher mit dem Verbrennen des Stiers und einigen Schriften der Scholastik und des kanonischen Rechts vor dem Wittenberger Elstertor reagierte. Anschließend wurde er am 3. Januar 1521 mit dem Bannubulet Decet Romanum Pontificem exkommuniziert.

Diese und seine reformatorischen Hauptschriften machten Luther nun im ganzen Königreich bekannt. Der Buchdruck, die allgemeine soziale Unzufriedenheit und die politische Reformbereitschaft haben ihm zu einem außerordentlichen journalistischen Erfolg verholfen: Bis zum Ende von 81 von ihm herausgegebenen Einzel- und Schriftsammlungen, oft in andere Sprachen übersetzt, erschienen in insgesamt 653 Auflagen. In vielen Ländern nahmen ähnliche Reformbemühungen Gestalt an, die nun stark von politischen Spannungen zwischen Fürstentümern und Zentralmächten bestimmt waren.

Kurfürst Friedrich der Weise erreichte durch zähe Verhandlungen, dass Luther seine Position vor dem nächsten Reichstag erklären und verteidigen durfte. Dies zeigt den Niedergang der mittelalterlichen Macht von Papst und Kaiser: Karl V. war der letzte von einem Papst gekrönte Kaiser. Am 17. April 1521 stand Luther vor dem Reichstag von Worms, wurde vor den versammelten Fürsten und Reichsgütern verhört und zuletzt zum Widerruf aufgerufen. Nach einem Tag des Nachdenkens und dem Wissen, dass dies sein Tod sein könnte, lehnte er es aus folgendem Grund ab:

Da ... mein Gewissen in den Worten Gottes gefangen ist, kann und will ich nichts widerrufen, weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott hilf mir. Amen. 6

Die oft zitierte Aussage Hier stehe ich, ich kann mir nicht helfen, Gott helfe mir, Amen ist historisch nicht garantiert. Darauf erlegte der Reichstag am 26. Mai 1521 das vom Kaiser Worms unterschriebene Edikt vom 8. Mai zurück: 7 Es verbot das Sorgerecht des Papstes im gesamten Reich, Luther zu unterstützen oder zu unterstützen, seine Schriften zu lesen oder zu drucken und befahl, ihn zu verhaften und dem Kaiser zu übergeben. Die kaiserliche Gewalt wurde den Ständen jedoch erst nach dem offiziellen Reichstag mitgeteilt, so dass ihre Gültigkeit oft verweigert wurde. Trotzdem hätte jeder Luther töten können, ohne strafrechtlich verfolgt zu werden: Er war jetzt "geächtet". In Übereinstimmung mit dem Versprechen an seinen Kurfürsten erhielt er jedoch ein sicheres Verhalten. Später bedauerte Karl V. dieses Versprechen, weil die folgende Reformation die Einheit seines Reiches zerstörte.

Der Verbrecher wurde am Abend des 4. Mai 1521 von Friedrichs Soldaten auf dem Heimweg in der Nähe der Burg Altenstein bei Bad Liebenstein heimlich entführt und auf der Eisenacher Wartburg festgenommen, um der Gefahr zu entgehen.

Bibelübersetzung

Auf der Wartburg blieb Luther bis zum 1. März 1522 als "Junker Jörg" inkognito. Auf Anraten Melanchthons übersetzte er im Herbst 1521 in nur elf Wochen das Neue Testament ins Deutsche. Als Vorlage diente ihm eine Kopie der griechischen Bibel des Erasmus von Rotterdam, zusammen mit einer eigenen lateinischen Übersetzung und der Vulgata. Luthers Bibelübersetzung erschien im September 1522. 1523 erschien Luthers erste Teilübersetzung des Alten Testaments; Beide zusammen erlebten bis 1525 22 autorisierte Auflagen und 110 Nachdrucke, so dass bis zu einem Drittel aller lesenden Deutschen dieses Buch besaß. 8 1534 übersetzte Luther auch den Rest des Alten Testaments aus den damals wiederentdeckten Manuskripten der Masorets; Beide Testamente bilden zusammen die berühmte Lutherbibel.

Dies machte die biblischen Inhalte Luthers dem einfachen Volk zugänglich. Zwar gab es bereits 14 hochdeutsche und vier niederdeutsche gedruckte Bibelausgaben. Diese Übersetzungen basierten jedoch auf der Vulgata, die die Grundlage der griechischen Septuaginta darstellte: Sie hatten also mindestens zwei Übersetzungsschritte hinter sich. Luther suchte ebenso wie die Humanisten eine möglichst direkte Übersetzung der hebräischen und griechischen Originaltexte. Er übersetzte weniger wörtlich, versuchte aber, biblische Aussagen entsprechend ihrer wörtlichen Bedeutung (sensus literalis) ins Deutsche zu übersetzen. Er wollte "den Menschen in den Mund sehen" und benutzte deshalb eine starke, bildreiche, beliebte und allgemein verständliche Sprache. Er hat sie aber auch nach seiner Vorstellung von dem, was Christus tut, (Gottes Gnade in Christus als Ziel und Mittelpunkt der gesamten Schrift) ausgelegt.

Die sprachliche Form war der Ostmitteldeutsche seiner Heimat, in dem nord- und süddeutsche Dialekte bereits vor Luther verschmolzen waren. Doch erst durch seine Bibelübersetzung entwickelte sich dieser Dialekt zu einem gemeinsamen Hochdeutschen. Es wird auch poetisch als eine große Leistung angesehen, wie sie im Silbenrhythmus von 9 durchdacht wurde

Protestanten verwenden die Lutherbibel mit mehreren überarbeiteten Ausgaben (zuletzt 1984) bis heute. Es ist auch eine wichtige Basis der Kirchenmusik, deren Texte für Choräle, Kantaten, Motetten usw. verwendet werden.

Sogar Luthers Predigten und Schriften waren in einer starken und populären Sprache verfasst, in der er vulgäre Ausdrücke nicht verachtete. Viele von Herzen kommende Zitate wurden bekannt als: Aus einem glücklichen Esel kommt ein glücklicher Furz.

Reformation in Wittenberg

In Wittenberg predigte Karlstadt unterdessen für weitreichende Gottesdienstreformen: u. ein. Gegen die Klöster, Opfergebete, Bilder in Kirchen und für das Abendmahl mit dem Laienbecher. Ab 1522 nahm die Stadtverwaltung die Änderungen vor und ergriff Maßnahmen gegen Armut und Unzucht, wie es Luther in seinen Schriften von 1520 vorschlug. Doch der Tumult ließ nicht nach: Viele Nonnen und Mönche verließen nun die Klöster in Sachsen. Die "Zwickauer Propheten", die unter dem Visionär Nikolaus Storch und dem aus Zwickau vertriebenen Lutherschüler Thomas Müntzer gegen die Kindertaufe vorgingen, verschärften die Unruhen.

Dann folgte Luther dem Hilferuf der Stadtväter und kehrte im März nach Wittenberg zurück. Mit täglichen Predigten überzeugte er die Bürger innerhalb einer Woche von moderateren Reformen. Liebe, nicht äußere Dinge sind entscheidend; Das Entfernen von Bildern ist nicht erforderlich, da Bilder nicht schaden. Bis auf die Opfergebete ließ er die römische Messordnung unverändert, stellte sie aber neben das evangelische Sakrament. Dies stellte die Ruhe wieder her und Karlstadt verließ die Stadt.

Mit der Abgrenzung Luthers von den "Schwärmern" fiel eine Vorentscheidung für den Verlauf der Reformation: Der radikale Bruch mit katholischen Gottesdienstformen blieb bei gleichzeitig tiefgreifenden sozialen Reformen bestehen. Luther wurde nun von den böhmischen Brüdern und den Utraquisten (gemäßigten Hussiten) unterstützt.

Ehe und Familie

Katharina von Bora war zusammen mit acht anderen Nonnen im April 1523 zu Ostern aus dem Kloster Nimbschen geflohen und lebte seitdem in Wittenberg. Luther verlobte sich am 13. Juni mit ihr und feierte am 27. Juni 1525 seine Hochzeit. Die Ehe entsprach seiner Lehre, da er sie nicht mehr als Sakralsakrament verstand, den Zölibat ablehnte und die Auflösung der Klöster forderte.

Katharina war ihm eine große Hilfe bei seinen persönlichen Problemen. Indem sie Studenten beherbergte, die viele Sprüche Luthers niederschrieben, orientierte sie sich an wirtschaftlichen Bedürfnissen. Luther hatte sechs Kinder bei sich: Johannes (* 7. Juni 1526 in Wittenberg; † 27. Oktober 1575 in Königsberg (Preußen)), Elisabeth (* 10. Dezember 1527 in Wittenberg; † 3. August 1528 in Wittenberg), Magdalena ( Geboren am 4. Mai 1529 in Wittenberg, † 20. September 1542 in Wittenberg), Martin (geboren am 7. November 1531 in Wittenberg, † 4. März 1565 in Wittenberg), Paul (geboren am 28. Januar 1533 in Wittenberg, † 8. März 1593 in Leipzig) und Margarethe (* 17. Dezember 1534 in Wittenberg, † 1570 in Mühlhausen / Ostpreussen).

Luthers Wappen war die "Lutherrose". 11 In einem Brief vom 8. Juli 1530 beschrieb er es so (Bild):

Das erste sollte ein Kreuz - Schwarz - im Herzen sein, das seine natürliche Farbe haben würde. Denn wenn man vom Herzen aus glaubt, wird man gerecht ... Ein solches Herz wird inmitten einer weißen Rose stehen und anzeigen, dass der Glaube Freude, Trost und Frieden gibt ... darum wird die Rose weiß und nicht rot sein; denn weiße Farbe ist der Geist und alle Engelsfarbe. Solch eine Rose steht auf dem himmelfarbenen Feld, diese Freude an Geist und Glauben ist ein Beginn der himmlischen Freude in der Zukunft ... Und um ein solches Feld herum ein goldener Ring, der solch eine Seligkeit im Himmel ewig andauert und kein Ende hat und auch lecker über alle freude und güter wie gold das edelste und leckerste erz ist ...

Einstellung zum Deutschen Bauernkrieg

Die mittelalterliche Feudalordnung führte infolge vieler Kriege auch dazu, dass die Fürsten den Bauern immer mehr Anklagen auferlegten, ihre Gewohnheitsrechte (z. B. Jagd, Fischerei, Holzfällung) zunehmend einschränkten und sie zur Leibeigenschaft zwangen. Dies führte bereits im 15. Jahrhundert zu einer Reihe von Bauernaufständen, zunächst in der Schweiz. In deutschen Gebieten kam es von 1524 bis 1526 zum Großen Bauernkrieg. Basierend auf Schweizer, schwäbischen und badischen Bauern verbreiteten sich die Aufstände wie ein Lauffeuer. Einige Städte schlossen sich ebenfalls an, da die Unzufriedenheit mit Fürsten und Bischöfen im Allgemeinen sehr groß geworden war.

Die 12 Artikel gaben ihren Forderungen einen einheitlichen Ansatz: Sie reichten von der bloßen Wiederherstellung ihrer üblichen Rechte bis zur Abschaffung der Leibeigenschaft und der demokratischen Grundrechte. Sie beriefen sich auf das "göttliche Gesetz" und Luthers Schreibprinzip sola scriptura. Wie er stimmten sie zu, ihre Forderungen fallen zu lassen, sobald sie durch die Bibel als falsch erwiesen wurden. Dies gab ihren bereits religiös begründeten Hoffnungen auf soziale Befreiung ihre erste Wirkung.

Luther war von den 12 Artikeln fern, weil sie sich fälschlicherweise an die Bibel gewandt hatten. Im April 1525 suchte er jedoch in einer Broschüre eine freundliche Einigung und ein ausgewogenes Urteil, ergriff legitime Forderungen der Bauern und entließ sie sowie die Fürsten. Nachdem jedoch einige Bauern einen Grafen und seine Gefährten (Weinsberger Blutrausch) ermordet hatten, schrieb Luther sein Schreiben Gegen die mörderischen verrottenden Bauern. Dies verurteilte die Aufstände jetzt als das Werk des Teufels und forderte alle Fürsten - unabhängig von ihrer Konfession - auf, die Bauern mit aller notwendigen Gewalt zu unterdrücken. Infolgedessen stärkten die Fürsten, die Luthers Wort für Gewicht hatten, ihre Amtskollegen.

1525 erreichten die Aufstände auch Thüringen und Sachsen. Hier war Thomas Müntzer der Sprecher der Bauern geworden. Anfangs hatte er wie Luther versucht, die Landesfürsten für Reformen zu gewinnen. Nachdem Luther den Kurfürsten ermutigt hatte, Müntzers Forderungen abzulehnen, wurden seine eigenständigen Reformversuche in Allstedt verboten. Nun übernahm Müntzer die Führung der Bauernarmee und wollte diese nach Mansfeld führen, um den ansässigen Grafen zu entmachten. In Bad Frankenhausen wurde seine Armee vom Fürstenheer gestellt und umzingelt. Die Bauern waren nur mit Dreschflegeln und Sensen bewaffnet und hatten wenig Kampferfahrung. Müntzer war kein Militärführer, sondern ein beredter Prediger. Nach Scheinverhandlungen zerstreuten die berittenen Soldaten die Bauern und errichteten ein Blutbad, in dem etwa 5.000 Bauern ermordet wurden. Müntzer wurde einige Tage später gefasst und geköpft.

Nach dieser Niederlage wurden alle anderen Aufstände nach und nach unterdrückt. Schätzungen zufolge kamen 75.000 bis 130.000 Landwirte im deutschsprachigen Raum ums Leben. Nur in einigen süddeutschen Städten und Gebieten wurden einige ihrer Forderungen erfüllt; In vielen Fällen wurden ihre Belastungen sogar noch verschärft. Nach diesem ersten revolutionären Versuch dauerte es mehr als 300 Jahre bis zum Feudalismus und 400 Jahre, bis die Monarchie in Deutschland überwunden war.

Hinter Luthers Ablehnung der Bauernaufstände stand seine Uneinigkeit mit Müntzer. Er hatte als Luther-Student in der Bibel Impulse für die soziale Revolution gefunden. Er glaubte, es sei Gottes Wille, die Lage der Armen direkt zu ändern und die politischen Verhältnisse mit dem kommenden Reich Gottes in Einklang zu bringen, um die Ungebildeten auf den Empfang des Evangeliums vorzubereiten. Luther lehnte dagegen die unmittelbare Verwendung der Bibel für politische Zwecke strikt ab und widersetzte sich 1521 Ulrich von Huttens Einwand, "mit Gewalt und Mord für das Evangelium einzutreten". Er unterschied das "Weltliche" vom "Geistigen"; Der Christ begegnet zwar in beiden Gottes Willen, aber in unterschiedlichen Formen. Die biblischen Gebote gelten nur für die Gläubigen; Wer sie direkt an die Politik weitergibt, gefährdet das Evangelium, das das Gewissen befreien und nicht durch neue Gesetze versklaven soll (siehe Zwei-Königreich-Doktrin). Deshalb begrüßte er Müntzers Ende als gerechte Strafe für den "Teufel", der gegen Gottes Befehl rebelliert hatte. Trotzdem fühlte er sich für das Gemetzel verantwortlich, das nicht zuletzt bei seinem Anruf passiert war. Mit seiner Empfehlung des Weingartner-Vertrages unterschied er weiterhin legitime von ungerechtfertigten Reformen.

Festigung der Reformation

Seit 1525 verlor die Reformation ihren Charakter als Volksbewegung und wurde zur Angelegenheit der souveränen Fürsten, die gestärkt aus der Niederlage der Bauern hervorgingen. Damit begann die Institutionalisierung der Landeskirchen. Die Konsequenz der Zwei-Königreich-Doktrin wäre eigentlich ein vollständiger Wiederaufbau der protestantischen Kirche auf der alleinigen Grundlage der reformatorischen Theologie gewesen. Luther hielt jedoch, wie die meisten seiner Zeitgenossen, die konfessionelle Vielfalt innerhalb eines Territoriums für undurchführbar und empfahl Menschen anderer Glaubensrichtungen, auszuwandern.

Da im deutschsprachigen Raum zunächst kein katholischer Bischof der Reformation beitrat und ein willkürlicher Ausschluss anderer Glaubensrichtungen für Luther durch Gottes offizielle Annahme verboten war, bat er den sächsischen Kurfürsten 1525 als herausragendes Mitglied der Kirche, dessen Besuch -. die Überprüfung des Klerus auf Treue und Führung im Geiste des Evangeliums - auf Bestellung. Dieses pragmatische und situationsbezogene Konzept der Not wurde bald zur Regel in protestantischen Gebieten und begünstigte die Entwicklung konfessioneller Nationalkirchen, die von den Fürsten geschützt, aber auch geführt und abhängig wurden. 14

Als die katholischen Reichsstände 1529 beim zweiten Reichstag von Speyer die Aufhebung der bisherigen Teiltoleranz der Protestanten durchsetzten, legten die protestantischen Stände (fünf Fürstentümer und 14 Städte aus Oberdeutschland) den Protest bei Speyer ein. Seitdem werden die protestantischen Christen als Protestanten bezeichnet. Auf dem folgenden Augsburger Reichstag 1530 wollten Luthers Anhänger den protestantischen Glauben vom Reich anerkennen lassen. Zu diesem Zweck verfasste Melanchthon das protestantische Glaubensbekenntnis, die "Confessio Augustana", die Kaiser Karl am Augsburger Reichstag überreichte und schließlich von ihm geduldet wurde. Luther konnte sich nicht als Gesetzloser beteiligen und unterstützte seine Anhänger aus der Festung Coburg, kritisierte aber auch einige Kompromissformeln Melanchthons als zu entgegenkommend.

Späte Periode

Nach dem Augsburger Reichstag trat Luther nur noch pastoral und journalistisch hervor. In Wittenberg hielt er bis 1545 Vorlesungen, seit 1535 jedoch fast ausschließlich über die Schöpfungsgeschichte. Mit verschiedenen Stellungnahmen zu theologischen und politischen Themen versuchte er weiterhin, den Fortschritt der Reformation zu beeinflussen, jedoch mit weitaus weniger direkten Auswirkungen.

In den Türkenkriegen (1521-1543) forderte Luther wie viele andere Theologen den Kaiser und die kaiserlichen Güter 1529 auf, sich einem gemeinsamen Verteidigungskrieg anzuschließen, wobei er die Idee eines Kreuzzugs vehement ablehnte. Seit 1535 rief er jedoch einige heilige Schriften herbei, um den "Feinden Christi" mit schärfstem Zorn zu begegnen. So setzte er sich gegen sein Prinzip, Ketzer zu verbrennen, gegen den Willen des Heiligen Geistes (1519) für die Verfolgung der Baptistenbewegung ein. 1535 beendeten katholische und protestantische Fürsten gemeinsam das Baptistenreich Münster. 1543 erschien "From the Jews and their lies" (s.u.), 1545 "Against the papacy at Rome, gespendet vom Teufel".

Trotz einer lang anhaltenden Herzerkrankung reiste er im Januar 1546 über Halle nach Eisleben, um einen Streit des Grafen von Mansfeld beizulegen. Er starb am 18. Februar 1546 am Bestimmungsort. Sein Leichnam wurde nach Wittenberg überführt und am 22. Februar in der Schlosskirche beigesetzt.